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Lena im Interview: 20 Jahre Diabolo, Jonglage und Bühnenkunst

Frederik Schenk
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Guten Morgen, Lena! Erzähl doch mal ein wenig über dich für alle, die dich noch nicht kennen. Wie bist Du zum Diabolo gekommen?

Guten Morgen, Frederik! Das ist schnell erzählt. Ich habe als Teenager mit dem Diabolo angefangen und dann einfach nicht mehr aufgehört. Meine Diabolos und ich haben schon viel zusammen erlebt - wir sind viel gereist. Zu Beginn vor allem auf Jonglierconventions, dann war ich 3 Jahre in Stockholm auf der Artistenschule, und seit 20 Jahren trete ich weltweit mit meinen Shows auf. Das ist ganz gemischt. Ich war viel im Varieté, aber mittlerweile hauptsächlich auf Events und Festivals. Ich war auch viel in Asien – in Japan, China, Vietnam, Indien– aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eben immer da, wo man ein begeistertes Publikum finden kann.

 

Was fasziniert Dich am Diabolo und an der Jonglage am meisten? Warum jonglierst Du?

Das ist eine sehr schöne Frage. Ich liebe es, Neues zu lernen. Auf einmal etwas zu können, was eben noch unmöglich war. Das ist eine sehr schöne Form von Kreativität, und beim Jonglieren gefällt mir, dass es endlos ist, dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt und sich die Grenzen des Möglichen ständig erweitern. Und dann habe ich auch diese leicht obsessive Seite, mich völlig in etwas vertiefen zu können, sodass alles andere verschwindet. Ich mag diese Art von Fokus; sie hat etwas sehr Meditatives. Und im zweiten Schritt ist es auch eine sehr interessante Arbeit, das alles für den Zuschauer zugänglich zu machen. Die Jonglage so zu gestalten, dass etwas zwischen mir und dem Publikum entsteht.

 

Du hast ja mit dem Diabolo begonnen und dort sehr viel entwickelt. Mittlerweile jonglierst Du aber noch mit anderen Dingen. Wie kam es zu dieser Erweiterung, und hast Du aktuell eine besondere Vorliebe?

Momentan arbeite ich vor allem an meinem Soloprogramm. Das ist wunderbar, weil dort all die Techniken, die ich mir über die Jahre angeeignet habe, ihren Platz finden. Ich hatte viele Jahre mit verschiedenen Partnern Keulen jongliert, vor allem weil ich gerne mit anderen arbeite. Als die letzte Zusammenarbeit endete, habe ich dann endlich meine Leidenschaft für die Hutjonglage entdeckt. Ich mag diese Art der Jonglage vor allem deshalb, weil es einen ganz anderen Rhythmus hat. Das Diabolo hat ja etwas sehr Fließendes, und die Hüte sind der genaue Gegenpart; jedes Mal, wenn ein Hut auf dem Kopf gefangen wird, entsteht eine kleine Pause. Und dadurch gibt es viel Raum für das Spiel mit dem Publikum. Was mir auch gefällt, ist, dass es viel dreidimensionaler ist. Das Diabolo ist ja abgesehen von der Vertax-Technik überwiegend frontal. Mit den Hüten kann ich mich viel freier im Raum bewegen und meine tänzerische Leidenschaft ausleben. Als weitere Disziplin habe ich vor einigen Jahren durch einen Kollegen die Kristallbälle wiederentdeckt. Ich mag es, dass ich das quasi überall auf kleinstem Raum üben kann. Ich hatte das schon vor vielen Jahren begonnen, aber dann beiseite gelegt, weil ich dachte, dass es zu klein für die Bühne ist. Aber bei meinen Shows sind die Leute extrem fasziniert davon, und sprechen mich anschließend sehr häufig darauf an. Die Mischung gefällt mir sehr gut, denn die einzelnen Techniken unterscheiden sich sehr stark voneinander. Was natürlich auch den Nachteil hatte, dass ich jedes Mal wieder komplett von vorne beginnen musste, mir eine neue Technik anzueignen. (Lacht)

 

Was für einen Stil zeigst Du denn auf der Bühne? Was kann Dein Publikum erwarten?

Wie ich schon gerade erwähnt habe, ist mir die Kombination der Jonglage mit Bewegung sehr wichtig. Dass die Tricks nicht nur für sich stehen und eine Demonstration meines Könnens sind, sondern dass ein Gesamtkunstwerk entsteht.

Stilistisch bin ich sehr flexibel, es kommt eher auf den Kontext an. Meine Shows passen sowohl in eher klassische Programme als auch in moderne Inszenierungen, denn sie sind in keine der beiden Kategorien einzuordnen. Ich mag im Kostümbild einen cleanen und ästhetischen Look, trotzdem sind die Choreos sehr detailliert, ausgefeilt und komplex.

 

Eine letzte Frage, nach über zwanzig Jahren auf der Bühne – was begeistert Dich heute noch genauso wie am ersten Tag, und was hat sich verändert?

Ich mag noch immer das besondere Kribbeln, ein wenig Nervosität und die geballte Energie und Präsenz zwischen dem Publikum und mir. Und mittlerweile kann ich das sogar noch mehr genießen, denn ich habe mehr Erfahrung und bin lockerer auf der Bühne. Zudem habe ich auch eine größere Bandbreite an Repertoire, was es auch für mich abwechslungsreicher macht.

 

Danke, Lena für dieses interessante Gespräch!


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